Umsetzung

Jens testete verschiedene Cross-Entwicklungsumgebungen und entschied sich für Titanium, da diese den Code in Native Code umwandelte und damit bessere Performance bot als andere Varianten.

 Die prämierte Idee der Kleist App wurde durch die phasenweise Umsetzung natürlich aufgegliedert. Schnell musste ich also eine Lösung finden, wie auch die erste Phase nutzerseitig als App interessant ist. Eine reine Umsetzung des Portals www.heinrich-von-kleist.org reichte uns nicht aus, da es keinen Mehrwert geboten hätte. Erschwert wurde das ganze, da die Materiallage – insbesondere im Multimediabereich nicht üppig war und die Bildrechte für unsere App ungeklärt waren.

Nachdem ich das Portal durchgesehen hatte, stellte sich heraus, dass es zwei Textkategorien gab: Texte zu Kleist und Texte zum Kleistjahr, wobei erstere weniger waren. Für ein ausgewogenes Verhältnis galt es neue Inhalte zu finden und mit den Partnern abzustimmen. Ein großes Glück dabei war, dass wir einen Verlag bei uns in der Firma haben und eine kompetente Literaturwissenschaftlerin, Lavinia, die schon bei der Preisverleihung dabei war. Gemeinsam schufen wir eine Dramaturgie und überlegten uns Gimmicks, die mit der Materiallage möglich waren. Das Ergebnis kann man ja inzwischen sehen. 

Fundraisung

Von jetzt an mussten wir sehr schnell sein. Wir wollten die Kleist App entwickeln, hatten nur noch  3 Monate bis zur Ausstellungseröffnung, weder die volle Finanzierung für das Projekt, noch je eine App entwickelt, wussten aber, dass es locker 4 Wochen dauern kann bis Apple eine App geprüft und freigeschaltet hat. Effektiv waren also noch 8 Wochen Zeit.

Bereits am selben Tag informierten wir das Stadtmuseum und baten um grünes Licht, sowie eine Anschubfinanzierung. Man war uns wohl gesonnen und wir verständigten uns darauf, einen gemeinsamen Präsentationstermin zu finden, um die Idee vorzustellen. Selbiges organisierte Christine mit dem Kleist Museum Frankfurt (Oder), der Kleistbeauftragten Jacqueline Köster und dem Büro Iglhaut +von Grote, dass die Doppelausstellung Kleist: Krise und Experiment realisiert.

Foto-3
Wir setzten uns an die Präsentation, teilten die App Idee in Entwicklungsschritte ein und erstellten ein Pflichtenheft, das Funktionalität, Kosten und Zeitplan enthielt. Eine Herausforderung war die genaue Beschreibung der Programmfunktionen. Uns stand dabei nicht nur Jens beratend zur Seite, auch meine eigene Programmiererfahrung half hier weiter.

Aus organisatorischen Gründen fand die Präsentation für die Partner erst am 1.4.11 statt. Ich war gut nervös. Aber es gelang uns im laufenden Projektjahr Mittel zur Umsetzung der ersten Phase zu bekommen und die Partner von den Möglichkeiten der App zu überzeugen. Auch das ein Grund zur Freude, denn im allgemeinen sind Projektmittel zu diesem Zeitpunkt längst verplant und das Interesse muss schon sehr groß sein, wenn Partner sich auch finanziell beteiligen.

Im Museumsbereich gibt es erfahrungsgemäß Vorbehalte gegenüber neuen Technologien und oft fehlt den Projektpartnern die eigene Erfahrung mit Smartphones und Social Media. Dennoch herrscht eine gewisse Sensibilität für diese Medien, da auch Kuratoren und Direktoren von Facebook, Twitter und Smartphones schon gehört haben, und diese im Alltag bei einer jüngeren Zielgruppe auch im Gebrauch sehen. Marktzahlen und die Vorstellung, wie sich diese Technologien für Inhalte und Vermittlung nutzen lassen, halfen dann bei der Überzeugungsarbeit.

Besonders gelungen war aber die Android Demo App, die Jens  freundlicherweise erstellt hatte. Damit konnten unsere Zuhörer selbst die haptische Erfahrung mit einem Smartphone machen und sehen, dass Inhalte zu Kleist auf dem Gerät möglich sind.

Die von Jens entwickelte Demo, die Tatsache, dass er den Source Code den Partnern zur Weiterentwicklung anschließend als Open Source zur Verfügung stellt, und seine Erfahrung als Programmierer in Kulturprojekten qualifizierten ihn letztendlich zu unserem Entwickler. Zudem bot er uns an, die Kleist App für Android und iPhone zu entwickeln.

Preisverleihung

Es kam der Tag der Preisverleihung, beim always-on-festival für das wir Tickets erhielten. Christine war an diesem Tag leider krank geworden, also nahm ich kurzerhand Lavinia, eine Kollegin vom Verlag mit, die später noch eine wichtige Rolle einnehmen sollte. Wir waren entspannt und komplett in Alltagskleidung, da wir nicht von einem Gewinn ausgingen.

Als die letzten Preise, die Sonderpreise der Jury, vergeben wurden, hatten wir den Gewinn bereits gänzlich abgeschrieben, bis dann der Juror die nächste Preisverleihung mit den Worten einführte: „Viele von Ihnen wissen es vielleicht nicht, aber dieses Jahr…“. Schreck lass nach!,  jetzt kann nur das Kleist Jahr kommen, also unsere Idee. Und so war es. Nachdem ich zunächst sehr überrascht war  und vor Freude sitzen blieb, musste ich doch auf die Bühne. Vor lauter Aufregung wäre ich fast ohne die Urkunde und den Preis von der Bühne gegangen. Glücklicherweise hatte ich auf dem Hinweg kurz die Wettbewerbsunterlagen noch mal auf dem iPhone angesehen. Das Ganze kann auch noch im Fernsehen angeschaut werden. Beim Abgang wurde ich noch von einem politischen Vertreter Brandenburgs ermahnt,  den Preis auch nach Frankfurt Oder zu tragen. „Ja, selbstverständlich“, entgegnete ich. Haben wir auch gemacht.

Nach der Preisverleihung riefen wir Christine an und ich musste zweimal erzählen was passiert war. Der Preis war eine Beratung durch Fraunhofer Fokus. Dann wurde gefeiert. Selbstverständlich. Unsere Firma hatte noch nie was gewonnen. Und ich auch nicht. Dementsprechend groß war also die Freude.

Twitter2

Am nächsten Morgen im Büro war Christine wieder im Büro und teilte mir mit,  dass sie bereits sowohl mit Jens Heise – einem befreundeten Programmierer -  gesprochen hatte, wie auch mit der Kleist Beauftragten. Ich hielt ihr unsere Urkunde hin.

 

 

Vorstellung und Entstehung einer App Idee

Ach! Na dann mal los…

Foto_2

… das bin ich, Moritz Möller, Assistent der Geschäftsführung und zusätzlich verantwortlich für IT (Netzwerkadministration, Webentwicklung – und beratung, Betreuung der Ausstellungstechnik der Berliner Nikolaikirche und des Kassensystems Beckerbillett), Design (Print, Web, Bildbearbeitung) und Veranstaltungsmanagement.

Foto_1

… und da komm ich her, genauer genommen aus Berlin Prenzlauer Berg. Ich bin 30 Jahre alt, studierter Kunsthistoriker und Romanist, einer der Fotografen bei „Ansichten von Aufsichten“ und Essayautor bei Berlin-Kreuzberg: Fotografien. Interessen sind: Kultur, Technik, Fahrrad fahren, Trampolin springen, Fotografie.

… und seit 2001 bin ich in der Stadtmuseum Berlin GmbH.

Und oft bin ich überall gleichzeitig.  http://www.twitter.com/verlagm | http://www.facebook.com/verlagm | https://de.foursquare.com/venue/21747235 | http://www.xing.com/profile/Moritz_Moeller5.  Fast ausschließlich unterwegs über ein iPhone.

Ich bin begeisterter Smartphone-User, benutze selbst viele  Apps und Social Media. Damit hat das letztendlich auch mit der Kleist App angefangen . Als Computernutzer seit meinem 8. Lebensjahr und Internetnutzer seit über 15 Jahren, habe ich mich stets für die Möglichkeiten des Mediums begeistert. Während meiner Arbeit in der Stadtmuseum Berlin GmbH, anfangs nur im Bereich IT und Design, dachte ich oft, dass die Möglichkeiten des Mediums auch für Kultureinrichtungen intensiver genutzt werden können: zur Kommunikation, Wissensvermittlung und kulturellen Unterhaltung.

Im letzten Jahr (9.-10.9.2010), nachdem wir - das sind Christine Friedrich und ich -  auf der stART10 Conference waren, öffnete sich nun ein Fenster dafür. Einerseits, weil die Konferenz uns nochmals deutlich die Chancen und den Nutzen des Mediums offenlegte und andererseits, weil uns die Komplexität mit der sich offline Kultur und online Nutzer begegnen können gefällt, so dass wir im Gespräch Ideen austauschten. Auch Apps waren ein Thema.

Ein knapper Monat verging, bis ein Freund mich auf den Ideenwettbewerb Apps4Berlin aufmerksam machte. Kurzerhand druckte ich die Unterlagen aus, ging zu Christine und sagte, da sollten wir mitmachen. Sie stand auf und machte erstmal einen Espresso in der Kaffeemaschine und überlegte. Wir hatten ja seit der Konferenz eine Idee und wollten uns in diesem Feld bewegen, argumentierte ich. Nach kurzer Diskussion einigten wir uns darauf ein Ideenkonzept zum Kleist Jahr 2011 einzureichen, dass sich wegen der Doppelausstellung Kleist: Krise und Experiment und dem umfangreichen Programm zum Kleist Jahr 2011 anbot, zumal die Ausstellung im Ephraim-Palais Berlin der Stiftung Stadtmuseum Berlin stattfindet und deren kommunikative Vermittlung als 100% Tochter eine unserer Aufgaben ist.

Wie das so ist, machen Ideen auch erstmal Arbeit. Ich kam aus dem Gespräch  und musste jetzt ein Konzept entwickeln. Unter erhöhtem Schwierigkeitsgrad, da ich neben meiner Arbeit mit meinem Studienabschluss und Prüfungen beschäftigt war, die in denselben Zeitraum fielen. Aber wenn man viel arbeitet, wird  man erstaunlicher Weise belastbarer.  Also habe ich zum Thema Apps, dem Markt, Marketing und Museen recherchiert, ausgedruckt und das Textkonvolut an einem Sonntagnachmittag vor mir auf dem Bett ausgebreitet liegen gehabt. Wenige Tage später landete das Konzept per E-Mail bei Christine.

Nach kurzer Durchsicht Ihrerseits, einigen Erklärungen meinerseits, stellten wir die Idee der Kleist Beauftragten der Stadt Frankfurt Oder vor. Insbesondere praktische Fragen, z.B. wie finde ich die App und Fragen nach Nutzen und Zielgruppen waren für sie von Interesse. Es gelang uns, sie für das Projekt zu gewinnen. Parallel stellte Christine es kurz dem Verwaltungsdirektor des  Stadtmuseums Berlin vor und auch dort  wurde die Wettbewerbseinreichung befürwortet. Wir entschieden, uns mit der Idee, nicht mit einer Demoversion zu bewerben.

Am Tag der Abgabe, dem 30.11.2010  saßen wir bis nach 18 Uhr an den Wettbewerbsunterlagen, die noch gestaltet und redaktionell bearbeitet werden musste. Der Antrag war bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen abzugeben. Unsicher, ob wir um diese Zeit noch jemanden erreichen können, rief ich erstmalig die Berliner Behördennummer 115 an. Sie verbanden mich tatsächlich mit dem Pförtner, der mir versicherte, dass wir auch nach 18 Uhr noch Unterlagen einreichen können. Also ab ins Taxi und auf zum Senat.

Twitter

 

Foto

 

 

Ich übergab die Unterlagen an der Pforte und mir wurde versichert, dass ich nicht der erste heute sei und schon gar nicht der Letzte. Aha, es gab also einige Mitbewerber.

Die Monate vergingen, der Jahreswechsel und viele andere Projekte kamen, ich habe mein Studium abgeschlossen. Vom Wettbewerb hörten wir nichts mehr, außer von einem Jurymitglied, dass sich bei uns meldete und uns anbot, ganz unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs, Kontakte herzustellen, die uns insbesondere zu den finanziellen Aufwänden beraten könnten,  da er unsere Kalkulation für zu eng hielt. Immerhin hatte die Jury also das ganze Konzept gelesen.